Schultze gets the blues

Filmkritik Schultze gets the blues

Filmkritik Schultze gets the blues

Filmkritik Schultze gets the blues

Filmkritik Schultze gets the blues

Filmkritik Schultze gets the blues

Filmkritik Schultze gets the blues

© UIP

Schultze (Horst Krause) und seine Arbeitskollegen und Freunde Jürgen (Harald Warmbrunn) und Manfred (Karl Fred Müller) werden in Frühpension geschickt. Bei der harten Arbeit im Kali–Bergbau hat sich Schultze einen chronischen Husten zugezogen. Trotzdem macht ihm die Pensionierung zu schaffen. Jürgen und Manfred haben Familie. Schultze lebt allein und hat nur seine Freunde, ein paar Gartenzwerge und sein Akkordeon. Die Tage werden lang ohne Arbeit, ohne Ziele oder Erwartungen.

Dann stößt Schultze im Radio auf Cajun, die traditionelle Musik aus Louisiana. Dieser Rhythmus lässt ihn nicht mehr los. Im Musikverein seines Heimatortes kommt Schultzes neue Musikrichtung weniger gut an. Schultze will und kann aber nicht einfach zurückkehren zum musikalischen Polka–Alltag. Doch amerikanische Kochrezepte allein können seine Sehnsucht nicht stillen. Er reist in das Ursprungsland der faszinierenden Musik, zu den Bayous und Sümpfen Lousianas.

Kameramann Axel Schneppat macht schöne Bilder. Links dreht sich ein Windrad, von rechts zieht sich eine Hochspannungsleitung durch die Ebene und ergänzt damit die Dreiecks–Komposition nach Lehrbuch. Regisseur Michael Schorr lässt sich und den Zusehern viel Zeit, um sich auf die kommende Action vorzubereiten. Ein Fahrrad kommt, durchquert den großzügig bemessenen Bildausschnitt und wenn das Rad längst wieder aus dem Bild verschwunden ist, bekommt man noch ein paar Momente, um versehentlich nicht eingehend genug studierte Bildausschnitte noch einmal zu begutachten.

Die Zahl der Kameraschwenks kann man an zehn Fingern abzählen. Schorr und seine Kollegen sind offensichtlich Anhänger jener Dokumentarfilm–Sprache, die davon ausgeht, dass Statik und Dauer einer Einstellung ihre Bedeutung erhöhen.

Auf uns durchschnittliche «Kinder des Video–Clip–Zeitalters» wirkt diese Bildsprache eher langatmig. Die Geschichte ließe sich locker in 45 Minuten erzählen.

Unter dieser Oberfläche der Langsamkeit entfaltet sich eine treffende Metapher über die Chancenlosigkeit des Einzelnen angesichts jener übergeordneten Sachzwänge, die uns Tag für Tag mit Schlagworten wie Globalisierung, Strukturwandel usw. vorgebetet werden.

Die allzu ausführlich zelebrierten Bilder aus Schultzes Heimat an der Saale bekommen Sinn, sobald er Amerika erreicht hat. «Nebensächliche» Kameramotive wie Häuser oder die Musik erheben sich vom Statistendasein zu Hauptdarstellern. Sie erzählen die Geschichte eines Mannes, der vom System vor seiner Zeit ausgeworfen wird. Aber das Ziel seiner Flucht unterscheidet sich durch nichts vom Ausgangspunkt.

Das amerikanische Kaff, in dem Schultze landet, glänzt mit der gleichen Tristesse wie sein Heimatort. Sogar die jahrhundertealte Cajun–Musik ist nur die amerikanische Variante der deutschen Volksmusik. Schultzes Schicksal erfüllt sich unabhängig vom Ort.